Wer sich für eine Haartransplantation entscheidet, steht zunächst vor einer wichtigen Frage: Welche Methode ist die richtige? Die drei am häufigsten angewandten Verfahren in Deutschland sind FUE, FUT und DHI. Jede Methode hat ihre Stärken und eignet sich für unterschiedliche Ausgangssituationen. In diesem Artikel erklären wir die Unterschiede, Vor- und Nachteile sowie die Einsatzgebiete der einzelnen Verfahren.
FUE — Follicular Unit Extraction
Die FUE-Methode ist das weltweit am häufigsten durchgeführte Verfahren der Haartransplantation. Dabei werden einzelne Haarfollikel (sogenannte Follicular Units) mit einer feinen Hohlnadel aus dem Spenderbereich am Hinterkopf entnommen und in die kahlen Stellen eingesetzt.
Vorteile der FUE-Methode
- Keine lineare Narbe: Da einzelne Grafts entnommen werden, entstehen nur winzige, kaum sichtbare Punktnarben.
- Kurze Heilungszeit: Die meisten Patienten sind nach 7–10 Tagen wieder gesellschaftsfähig.
- Geeignet für kurze Frisuren: Da keine auffällige Narbe am Hinterkopf entsteht, können Sie die Haare auch kurz tragen.
- Vielseitig einsetzbar: FUE eignet sich für Geheimratsecken, Tonsur, diffusen Haarausfall und auch für Bart- oder Augenbrauentransplantationen.
Nachteile der FUE-Methode
- Zeitaufwändig: Bei großen Flächen kann der Eingriff mehrere Stunden dauern oder in mehreren Sitzungen erfolgen.
- Begrenzte Graft-Anzahl pro Sitzung: Je nach Klinik können 2.000–5.000 Grafts pro Sitzung transplantiert werden.
- Rasur erforderlich: In der Regel muss der Spenderbereich rasiert werden, wobei einige Kliniken inzwischen auch eine „Shaveless FUE” anbieten.
Für wen eignet sich FUE?
FUE ist ideal für Patienten mit leichtem bis mittelschwerem Haarausfall, die eine narbenfreie Lösung wünschen. Besonders bei Geheimratsecken (Norwood-Stufe 2–4) erzielt FUE hervorragende Ergebnisse.
FUT — Follicular Unit Transplantation
Die FUT-Methode (auch Streifenmethode genannt) ist das klassische Verfahren der Haartransplantation. Dabei wird ein schmaler Hautstreifen aus dem Spenderbereich am Hinterkopf entnommen. Unter dem Mikroskop werden die einzelnen Follikeleinheiten aus diesem Streifen präpariert und anschließend in die Empfängerzone eingesetzt.
Vorteile der FUT-Methode
- Hohe Graft-Anzahl: In einer einzigen Sitzung können bis zu 6.000 oder mehr Grafts gewonnen werden.
- Effizient bei großflächigem Haarverlust: Ideal für Patienten mit fortgeschrittenem Haarausfall (Norwood-Stufe 5–7).
- Keine Rasur notwendig: Der Spenderbereich muss nicht vollständig rasiert werden.
- Hohe Überlebensrate der Grafts: Durch die schonende Entnahme im Gewebeverband bleiben die Follikel gut geschützt.
Nachteile der FUT-Methode
- Lineare Narbe: Am Hinterkopf entsteht eine feine Narbe, die bei sehr kurzen Frisuren sichtbar sein kann.
- Längere Heilungszeit: Die Entnahmestelle benötigt etwa 2–3 Wochen zur vollständigen Heilung.
- Mehr Schmerzen: Im Vergleich zu FUE ist mit etwas mehr Spannung und Beschwerden im Spenderbereich zu rechnen.
Für wen eignet sich FUT?
FUT ist besonders geeignet für Patienten mit großflächigem Haarverlust, die eine maximale Anzahl an Grafts in einer Sitzung benötigen. Wer die Haare ohnehin länger trägt, wird von der feinen Narbe am Hinterkopf nichts bemerken.
DHI — Direct Hair Implantation
Die DHI-Methode ist eine Weiterentwicklung der FUE-Technik. Der entscheidende Unterschied: Die entnommenen Haarfollikel werden mit einem speziellen Implantationsstift (Choi-Pen) direkt in die Kopfhaut eingesetzt — ohne dass zuvor Kanäle geöffnet werden müssen.
Vorteile der DHI-Methode
- Höchste Präzision: Der Choi-Pen ermöglicht eine exakte Kontrolle über Winkel, Tiefe und Richtung jedes einzelnen Grafts.
- Dichtes Ergebnis: Besonders geeignet für die Verdichtung bestehender Haare, da zwischen vorhandenen Haaren implantiert werden kann.
- Kürzere Lagerung der Grafts: Da Entnahme und Implantation fast gleichzeitig erfolgen, verbringen die Grafts weniger Zeit außerhalb des Körpers.
- Schnellere Heilung: Die Empfängerzone heilt in der Regel schneller, da kleinere Öffnungen entstehen.
Nachteile der DHI-Methode
- Höhere Kosten: DHI ist in der Regel teurer als FUE, da das Verfahren mehr Erfahrung und spezielle Instrumente erfordert.
- Begrenzte Graft-Anzahl: Pro Sitzung sind typischerweise 2.000–3.000 Grafts möglich.
- Hohe Arzt-Abhängigkeit: Das Ergebnis hängt stark von der Erfahrung des behandelnden Arztes ab.
Für wen eignet sich DHI?
DHI ist ideal für Patienten, die eine Verdichtung des vorhandenen Haares wünschen, oder für kleinere Eingriffe wie die Korrektur von Geheimratsecken oder die Haarlinie. Auch für Bart- und Augenbrauentransplantationen wird DHI häufig eingesetzt.
Vergleichstabelle: FUE vs. FUT vs. DHI
| Kriterium | FUE | FUT | DHI |
|---|---|---|---|
| Narbenbildung | Punktnarben (minimal) | Lineare Narbe | Punktnarben (minimal) |
| Grafts pro Sitzung | 2.000–5.000 | Bis zu 6.000+ | 2.000–3.000 |
| Heilungszeit | 7–10 Tage | 2–3 Wochen | 7–10 Tage |
| Kosten | Mittel | Günstiger | Höher |
| Ideal für | Leichter bis mittlerer Haarausfall | Fortgeschrittener Haarausfall | Verdichtung & Präzision |
| Rasur nötig | Ja (meist) | Nein | Teilweise |
Fazit: Welche Methode ist die beste?
Die „beste” Methode gibt es nicht — es kommt auf Ihre individuelle Situation an. Entscheidend sind der Grad des Haarausfalls, der Zustand des Spenderbereichs, Ihre Erwartungen und Ihr Budget.
Unser Tipp: Lassen Sie sich von einem erfahrenen Haarchirurgen beraten. Ein guter Arzt wird Ihnen die Methode empfehlen, die für Ihre Situation die besten Ergebnisse verspricht — nicht die teuerste. Nutzen Sie unser Verzeichnis, um Kliniken in Ihrer Nähe zu finden und einen Beratungstermin zu vereinbaren.